FRAU SEIN IN WECHSELVOLLEN ZEITEN.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs sind bis heute unbekannt. Allerdings kennen wir inzwischen ziemlich genau jene Risikofaktoren die eine Brustkrebserkrankung wahrscheinlicher werden lassen. Hierzu zählen biologische Faktoren wie Kinderlosigkeit oder später Eintritt in den Wechsel, aber auch ungesunder Lebensstil oder erbliche Vorbelastung. Bei etwa jeder 10. Brustkrebspatientin beruht die Erkrankung auf einer Veränderung im Erbgut. Diese Veränderung kann innerhalb der Familie vererbt werden. Typischerweise finden sich in einer Familie dann mehrere Fälle von Brustkrebs. In solchen Fällen können häufig angeborene Veränderungen im BRCA1 oder BRCA2 Gen nachgewiesen werden. Frauen die ein defektes BRCA Gen besitzen haben ein sehr hohes Lebenszeitrisiko an Brust und Eierstockkrebs zu erkranken. Sie sollten unbedingt an einem besonders intensiven Früherkennungsprogramm teilnehmen.

 

Brustkrebs und Lifestyle

Die große Mehrheit von Brustkrebspatientinnen, das sind etwa 90 bis 95 Prozent aller betroffenen Frauen, erkranken »spontan«: Bei ihnen liegt weder eine familiäre Häufung von Brustkrebs vor, noch kann man irgend einen anderen Grund für die Erkrankung erkennen. Man geht heute davon aus daß in diesen Fällen verschiedene Einflüssen gemeinsam an der Krebsentstehung beteiligt sind. Die genauen Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs sind jedoch noch weitgehend unbekannt. Es gibt allerdings gewisse Risikofaktoren, die die Entstehung eines Mammakarzinoms begünstigen können.

 

Zu den angeborenen Risikofaktoren zählen:

 

·       Das Lebensalter: Ab dem dritten Lebensjahrzehnt steigt das Erkrankungsrisiko stetig an; etwa 2/3 aller Brustkrebserkrankungen treten nach dem sechzigsten Geburtstag auf.

·       Genetische Belastung: (Vorkommen von Brustkrebs in der Familie); wenn beispielsweise Schwester oder Mutter bereits an Brustkrebs erkrankt sind, so steigt das Erkrankungsrisiko auf das 2-3 fache des Risikos von Frauen an die keine erkrankte Verwandte haben.

·       Familiärer Brust- und Eiestockkrebs: Etwa 5 % aller Mammakarzinome sind durch eine Veränderung in einem von zwei inzwischen bekannten Brustkrebsgenen bedingt. Frauen mit einem stark erhöhtem familiären Brustkrebsrisiko können im Prinzip eine solche Genveränderung in sich tragen und sollten eine spezielle Brustkrebsberatungsstelle aufsuchen.

·       Ist eine Frau bereits einmal an Brustkrebs erkrankt, so besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines weiteren Brustkrebses

·       Eine frühe erste Regelblutung oder ein später Eintritt in die Wechseljahre gehen ebenfalls mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einher.

·       Kinderlosigkeit oder eine späte erste Geburt steigern das Brustkrebsrisiko ab dem 40. Lebensjahr.

 

Erworbene und durch Lebensstil beeinflussbare Risikofaktoren sind:

 

·       Ernährung: Fettreiche Ernährung scheint einen negativen Einfluss zu haben; vorteilhaft scheint hingegen mediterrane Kost (Olivenöl, frisches Obst und Gemüse) zu sein. Stark gebratene Fleischspeisen können das Brustkrebsrisiko etwas erhöhen

·       Regelmäßiger und erhöhter Alkoholkonsum

·       Übergewicht, besonders nach dem Wechsel

·       Geringe körperliche Aktivität

·       Hormonersatztherapie (HRT): je nach Präparat und Einnahmedauer kommt es zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisiko

·       Pille: während und in den ersten Jahren nach der Pilleneinnahme besteht ein leicht erhöhtes Risiko, danach ist das Risiko vergleichbar mit jenen Frauen, die nie die Pille genommen haben.

Zum Seitenanfang

Familiärer Brust- und Eierstockkrebs

Bei etwa 5 von 100 Frauen die an Brustkrebs erkranken liegt die Ursache für die Krebserkrankung in einer Veränderung im Erbgut. Diese Veränderung kann innerhalb der Familie vererbt werden. Dabei erkranken längst nicht alle Familienmitglieder. Typisch für die familiären Brustkrebsformen ist allerdings, dass die Erkrankung bei mehreren Familienmitgliedern auftritt  und daß der Krebs meist bereits vor dem 40. bis 50. Lebensjahr diagnostiziert wird. Häufig sind beide Brüste betroffen. Als wichtigste Gene im Zusammenhang mit dem familiären Brustkrebs gelten heute BRCA-1 und BRCA-2. BRCA steht für Breast Cancer (Englisch für »Brustkrebs«) Veränderungen in den BRCA Genen können dazu führen, daß wichtige Reparaturmechanismen ausfallen und sich Zellen dadurch bösartig entwickeln. Eine Frau, die eine ererbte Veränderung (»Mutation«) im BRCA-1 Gen trägt, hat ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Auch das Risiko an einem Eierstockkrebs zu erkranken ist deutlich erhöht. Bei Mutationen im BRCA-2 Gen besteht ebenfalls eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, an einem Brustkrebs zu erkranken. Das Eierstockkrebsrisiko ist hingegen etwas vermindert, dafür treten bei dieser Form andere bösartige Erkrankungen etwas häufiger auf als gewöhnlich.


Frauen die von einer Mutation im BRCA-1 oder 2 Gen betroffen sind sollten auf jeden Fall an speziellen Früherkennungsprogrammen teilnehmen. Diese sehen engmaschigere Kontrollen und den Einsatz von Magnetresonanztomographie und Vaginalultraschall vor. Von einer Mutation betroffene Frauen die ihr Erkrankungsrisiko hingegen wirkungsvoll senken möchten sollten sich möglichst nach abgeschlossenem Kinderwunsch einer prophylaktischen (vorbeugenden) Entfernung der Eierstöcke unterziehen. Damit wird das Risiko an einem Eierstockkrebs zu erkranken fast vollständig ausgeschaltet und auch das Brustkrebsrisiko wird durch diesen Eingriff auf die Hälfte reduziert.


Auch die vorbeugende Entfernung beider Brüste kann das Brustkrebsrisiko nicht ausschalten, aber zumindest wird dadurch das Erkrankungsrisiko auf etwa 10 %  gesenkt. Die meisten Frauen die sich dieser Operation unterziehen entschließen sich im Anschluss daran zu einem Wiederaufbau mit Prothesenimplantaten. Natürlich ist die Entscheidung für eine Entfernung von Organen die in so besonderer Weise mit Weiblichkeit assoziiert sind eine folgenreiche Entscheidung die sehr gut überlegt sein muss. Allerdings ist der Umgang mit der Tatsache daß man im Laufe des Lebens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an Brust oder Eierstockkrebs erkranken wird für nicht Betroffene meist schwer nachzuvollziehen. Prophylaktische Operationen stellen dabei neben Früherkennungsprogrammen und psychologischer Betreuung eine weitere Möglichkeit im Umgang mit der Mutation dar.

Zum Seitenanfang

Mein persönliches Brustkrebsrisiko

Die meisten Krebsspezialisten sind der Meinung, daß die nachfolgenden Faktoren einen mehr oder weniger großen Einfluß auf das Brustkrebsrisiko haben. Einige dieser Faktoren davon können auch für Sie von Bedeutung sein, andere möglicherweise nicht. 


·       Alter und Geschlecht

·       Familienmitglieder an Brustkrebs erkrankt?

·       Gewicht und Größe

·       Sportliche Aktivität

·       Alkohol

·       Vitamine

·       Geburtsgewicht

·       Alter zum Zeitpunkt der ersten Regel (»Menarche«)

·       Alter zum Zeitpunkt der ersten Geburt

·       Anzahl von Geburten

·       Stillen

·       Hormonelle Kontrazeptiva

·       Alter zum Zeitpunkt der letzten Regel (»Menopause«)

·       Einnahme von Hormonersatztherapie

·       Gutartige Brusterkrankung in der Vorgeschichte


Es gibt gute Hinweise dafür daß bestimmte Medikamente wie Tamoxifen und Raloxifen bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko einen günstigen Effekt haben. Allerdings können diese Medikamente wegen ihrer Nebenwirkungen nicht uneingeschränkt zur Vorbeugung von Brustkrebs empfohlen werden. Im Einzelfall müssen Risiken und Nutzen einer solchen vorbeugenden Behandlung genau abgeklärt werden. Sie selbst können jedoch durch eine Änderung Ihrer Lebensgewohnheiten das Risiko an Brustkrebs zu erkranken deutlich senken – und das ohne jede Nebenwirkungen:


·       Falls Sie Alkohol konsumieren: halten Sie sich in Zukunft bei alkoholischen Getränken zurück

·       Falls Sie übergewichtig sind: streben Sie ein Normalgewicht an

·       Treiben Sie Sport und bleiben Sie aktiv

·       Falls Sie wegen Wechselbeschwerden eine Hormonersatztherapie über längere Zeit einnehmen: Versuchen Sie diese gemeinsam mit Ihrem Arzt abzusetzen und probieren Sie alternative Therapien

Zum Seitenanfang

Genetische
Beratung bei
familiärem Brust-
und Eierstock-
krebs